Samstag, 24. Dezember 2011

Weihnachtsgedanken


Eigentlich wollten wir es dieses Jahr so halten wie letztes: keine Geschenke innerhalb der Familie, dadurch weniger Hetzerei und weniger sinnloses Geldausgeben (man findet ja doch nie für alle etwas wirklich Passendes). Nur die Kinder bekommen etwas, und ein paar Ausnahmen gibt es natürlich. Damit war ich eigentlich ganz zufrieden und sah dem Fest geschenketechnisch entspannt entgegen.

Als wir letztes Wochenende einen ganzen Wäschekorb voll Päckchen verpackt hatten (für die Kinder von den Cousinen meines Freundes, mit denen wir am ersten Feiertag essen gehen, mein Patenkind und seine Schwester, die Enkelin vom Vater meines Freundes, seine Mutter und ihren Mann, meine Mutter, meine Schwester, meine Tante...), stellte sich die Sache schon ganz anders dar. Es ist nicht so, dass ich nicht gerne schenken würde, im Gegenteil! Wenn ich könnte, würde ich liebend gern viel öfter irgendwelche Dinge an liebe Menschen verschenken, einfach, weil ich denke, dass sie sich darüber freuen würden. Und doch: Haben wir nicht eigentlich schon genug? Ist es nötig, so viel Kram erst zu kaufen und dann zu verschenken, damit er in vielen Fällen einfach in den Schrank gestellt und vergessen wird?

Diese "Mahnung" kommt zu Weihnachten jedes Jahr vieltausendfach. Teilweise wirkt sie schon etwas ausgelutscht. Ich möchte aber eigentlich gar nicht so sehr darauf hinaus, die Geschenkepraxis zu Weihnachten zu ändern. Irgendwie gehören Geschenke ja auch dazu, und letztendlich kann das jeder halten, wie er mag. Immerhin geht es ja auch immer um andere, die den Vorschlag, sich Weihnachten nichts zu schenken, auch als Beleidigung auffassen könnten.

Wie auch immer, mich treibt ein anderer Punkt viel mehr um. Mit der Nase darauf gestoßen wurde ich durch einen Post auf wollgespinst, den ich leider nicht mehr wiederfinde. Im Gegensatz zu den Weihnachtsgeschenken, die notwendigerweise auch andere betreffen, ging es um etwas, das jeder für sich tun kann: sich an seinen Besitztümern freuen und sie tatsächlich nutzen.


Ich habe seither öfter darüber nachgedacht und an mir folgendes Muster festgestellt: Ich sehe etwas Schönes, und ich will es haben, etwa eine DVD. Wenn ich es dann habe, freue ich mich allein über den Besitz wie ein Schneekönig - und dann stelle ich die DVD ins Regal, ohne sie jemals geguckt zu haben. Ich freue mich nach wie vor jedesmal, wenn ich sie sehe, das ist es nicht. Aber dass ich sie tatsächlich anschaue, ist unwahrscheinlich.

Da twoodledrum ja ein Kochblog ist, hier etwas themenspezifischer: Dasselbe funktioniert auch hervorragend mit Koch- und Backbüchern. Gesehen, bestellt, ein oder zwei Rezepte nachgekocht, ins Regal gestellt, das nächste Buch bestellt. Oder mit speziellen Backgerätschaften wie irgendwelchen Motivformen. Oder mit der neuen Teesorte, obwohl noch zehn andere angefangen im Schrank stehen.

Ich weiß nicht, ob ihr das von euch auch kennt. Allerdings vermute ich, dass das Phänomen ein recht allgemeines ist. Wenn es also darum geht, weniger zu konsumieren, sind weniger Weihnachtsgeschenke sicher eine Lösung. Die funktioniert aber leider nur an Weihnachten. Eine andere, die rund ums Jahr Früchte trägt, ist, sich einmal bewusst zu machen, was man eigentlich alles besitzt, und es dann auch wirklich ausgiebig zu nutzen, bevor man sich das nächste Teil anschafft. Bücher lesen, DVDs schauen, aus Kochbüchern all das nachkochen, was lecker klingt, den tollen Fotoapparat zum Einsatz zu bringen. Das reduziert automatisch das Gefühl, mehr zu wollen und zu brauchen.

Glaubt mir, es macht wirklich zufriedener! Alles, von man merkt, dass man es nicht nutzt (weil es vielleicht etwas war, von dem man sich wünschen würde, man würde es gebrauchen - ich denke da an diverse Sportgeräte...), kann man dann guten Gewissens weggeben. Am Ende bleiben nur die absoluten Lieblingsstücke übrig, und das, was man neu kauft, sind potenzielle neue Lieblingsstücke.

Womit wir zum Schluss wieder bei den Weihnachtsgeschenken wären. Freut euch an dem, was ihr bekommt - und benutzt es dann auch wirklich!

Frohe Weihnachten wünscht euch eure
CH

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